Tourentage im Simplongebiet, 17.-20. Februar 2026

Zwischen grosser Lawinengefahr, Nebel, Wind und klugen Entscheidungen.

Im Vorfeld war schon viel los. Bereits einige Tage vor Beginn war klar: Unsere geplante Woche im Graubünden wie auch die Ersatztour Berner Oberland West-Durchquerung waren so nicht möglich. Also planten wir um. Je näher der Start rückte, desto klarer wurde allen: Oje, das wird schwierig. Lawinengefahr 4+ und die Nachrichten waren voll von Berichten zur angespannten Schneesituation. Wieder planten wir um. Unser neues Ziel war Simplon Dorf mit drei statt fünf Skitourentagen. Dort sollte das Wetter am besten sein.

Dienstag, Abreisetag Richtung Simplon Dorf – Lötschberg gesperrt! Die Handys liefen heiss. Gehen oder nicht gehen? Was können wir verantworten? Ängste waren da – auch Angehörige machten sich Sorgen. Wichtig war, all das auszusprechen und offen miteinander zu sein. Wir entschieden uns zu fahren – unter dem Motto: „Have fun, no risk.“ Mit der klaren Haltung: Keine hohen Gipfel. Keine Heldentaten. Sondern eine Skitouren-Safari im Simplongebiet – angepasst an die Situation.
Die Stimmung im Hotel war gut. Wir assen fein und nutzten das enorme Wissen von Adi, der Bergführer ausbildet. Gerade bei Lawinengefahr 4 stellten sich viele Fragen: Was ist überhaupt möglich? Wie können wir uns bewegen? Wo sind sichere Zonen? Wir hingen an seinen Lippen. Gemeinsam planten wir die Tour aufs Spitzhorli (2736 m).

Mittwoch, Üsseri Nanzlicke (2601 m) und Staldhorn (2462 m). Der Wetterbericht versprach einige Aufhellungen, das Lawinenbulletin lag bei 4−. Zuversichtlich und guter Laune waren wir unterwegs – voller Vertrauen in Adi und auch in uns selbst. Adi erklärte viel, stellte Fragen, bezog uns ein. Wir konnten enorm profitieren, lernen und beim analytischen Planen im Gelände mitdenken. Die Sicht wurde jedoch zunehmend schlechter. Statt aufs Spitzhorli entschieden wir uns, von der Üsseri Nanzlicke wieder abzufahren. Der erhoffte schöne Pulver blieb aus – wir fuhren grösstenteils entlang der Aufstiegsspur zurück. Fast im Talboden angekommen, hellte es auf.
Kurzer Blickkontakt mit der Sonne – und neuer Entscheid: Wir steigen durch die wunderbare Landschaft aufs Staldhorn. Mit etwas mehr Sicht ging es hinunter. Auch dort blieb das grosse Skivergnügen aus – kein Traumpulver, keine perfekten Schwünge. Und trotzdem: Wir hatten Freude und genossen auf eine etwas andere Art. Zurück in Simplon Dorf landeten wir in der Bäckerei Arnold. Eine Vitrine voller Köstlichkeiten strahlte uns entgegen. Obwohl das Nachtessen kurz bevorstand, konnten wir nicht widerstehen und bissen genüsslich ins Süsse. Die Uhren zeigten am Ende: 1200 Höhenmeter Auf- und Abstieg und 15 Kilometer.

Donnerstag, Tschuggmatthorn (2312 m). Was war heute wohl möglich? Adi machte einen Vorschlag beim Frühstück, und wir alle zückten unsere Apps. Unsere Aufgabe war es, selbst zu beurteilen, ob die Tour machbar ist. Nach Analyse von Exposition, Steilheit und Gefahrenstellen waren wir uns einig: Ja. Gleichzeitig planten wir Alternativrouten – für den Fall, dass sich die Situation anders entwickeln würde. Die im Meteo angekündigten Aufhellungen nahmen wir dankbar an. Zwischendurch blies uns der Wind kräftig um die Ohren – wohl eine kleine Kostprobe für den nächsten Tag.
Wow – was für ein schöner Aufstieg vom Simplon Gabi aus auf das Tschuggmatthorn. Wunderschöne Schneehänge, traumhafte Linien bis Richtung Gondo. Endlich durften wir den Schnee richtig geniessen. Und dann war plötzlich Schluss mit Schnee. Noch rund 2,5 Kilometer Strasse mit etwa 250 Höhenmetern bergab. Genau in diesem Moment stand Chantal als Wanderleiterin mit ihrer Gruppe dort – und mit ihrem grosszügigen Bus. Ohne zu zögern fuhr sie ihre Gruppe zuerst ins Restaurant nach Gondo und holte uns anschliessend ab. Sie brachte uns direkt zu unseren Autos zurück. So blieb genügend Zeit, um in der Bäckerei Arnold nochmals zuzuschlagen – vom Apéro bis zu den Süssigkeiten. Die Uhr zeigte: 1224 Höhenmeter, 11 Kilometer.

Freitag, Ärnegale (2627 m) im Goms. Starker Wind – oder doch nicht? Jetzt war es nicht nur die Lawinensituation, die weiterhin auf 4− (gross) lag. Zusätzlich war auch starker Wind angesagt. Adi entschied sich, mit einer Routenverschiebung ins Goms die Ärnegale ins Auge zu fassen. Da sollte der Wind nicht gleich zuschlagen und die Lawinensituation passte ebenfalls. Von Simplon Dorf ging es also ins Goms.
Über die Hängebrücke, Skier an – und wir waren begeistert von dieser eindrücklichen Winterlandschaft und dem vielen Schnee. Beim Aufstieg konnten wir nicht widerstehen: ein Aufstiegskaffee in der Chäserstatt – etwas ganz Neues für uns. Aufgetankt ging es weiter durch eine wunderbare Winterlandschaft. Leider steckten wir bald im dichten Nebel. Nach rund 1000 Höhenmetern entschieden wir uns, umzukehren und abzuwarten, wie sich das Wetter entwickeln würde. Abfahrt mit Null Sicht nach Chäserstatt. Wir wollten es uns gerade gemütlich machen, als Adi erste Aufhellungen entdeckte. Da gab es kein Halten mehr. Sofort wieder die Felle aufziehen – und nochmals 400 Höhenmeter hoch. Und ja – die Sicht deutlich besser und der Pulver war herrlich. Die Uhr zeigte am Ende: 1423 Höhenmeter, 13 Kilometer.

Abschlussgedanken. Drei Tage unter anspruchsvollen Bedingungen – viel gelernt, klug entschieden, gute Stimmung bewahrt und das Maximum herausgeholt. Und ganz ehrlich: Genau das unterscheidet eine starke Gruppe von einer, die nur bei perfekten Verhältnissen funktioniert.

Teilnehmende Club: Karin Grossenbacher, Ingrid Frost Zufferey, Simon Lauper, Gabriele Müller, Daniela Ogi
Gäste: Sonja Seiffert, Carine Galli Marxer, Peter Krähenbühl

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