
HauteRoute Saas-Fee – Chamonix 11. bis 17. April 2026
Beim dritten Anlauf hat’s endlich geklappt: die privat organisierte HauteRoute von Saas-Fee nach Chamonix der Strättliger Türeler war ein voller Erfolg
Nach 2 Absagen des Projekts «Haute Route» in den letzten beiden Jahren, hofften wir dieses Jahr zu sechst auf eine Durchführung. Wetter und Schnee stimmten uns schon Ende März optimistisch…..und siehe da beim dritten Versuch wird das diese Tourenwoche zu einem unvergesslichen Tourenerlebnis von uns allen.
Tag 1 (11.04.2026) Thun-SaasFee-Zermatt-Schönbiel Hütte
Motto: „Du kannst mehr als Du denkst!“ oder «Gib niemals auf!»
Früh aufstehen war angesagt, schliesslich mussten wir 06.27 den Zug in Thun erwischen. 4 Türeler und ein SKS Pisteler waren so früh schon am Bahnhof. Ab Spiez war unsere Gruppe dann komplett. In Visp wurde es ein bisschen enger….alles musste in ein Postauto und so war es dann eher ein «Stehtaxi» als ein gemütliches Postauto das uns nach Saas Fee brachte. Dort wurden wir von weiteren SKS’lern begrüsst – Trix und Wale wünschten uns eine tolle Woche.
Meli und Alex (Führer) klärten uns kurz über den Tag auf und schon ging’s los via Felskinn und Metro bis zur Mittelstation der Metro Alpin. Dort durften wir raus, um direkt auf den Hohlaubgletscher zu gelangen. Hier startete unsere Tour bei schönstem Wetter und angenehmer Temperatur. Ca. 3h später erreichten wir den Adlerpass (3777m). Von da gab es ein schöne lange Abfahrt bis zur Talstation der Hohtälli Bahn. Von der Bergstation waren es nochmals 1400m Abfahrt bis zur Station «Schweigmatten». Hier machten wir die Bekanntschaft mit den «freundlichsten Matteni’s». Eine kurze Gondelfahrt (ca. 1 Minute) war nicht umsonst möglich und da man auch kein Ticket lösen konnte durften wir den Weg zu Fuss gehen. Die nächste Überraschung sollte gleich folgen. Wir mussten im Schwarzsee raus und deshalb gleich auf die Gondel….dort öffneten sich aber die Türen der Gondel nicht und das Bahnpersonal hatte nur ein müdes lächeln für uns übrig. So gab es eine Runde via «trockener Steg» retour. In der Station «trockener Sand» verliessen wir die Gondel fluchtartig weil Alex rausbekommen hatte, dass die Türen im Schwarzsee nun überhaupt nicht mehr aufgehen. Das ganze kostete uns mind. 1 1/2 h Verspätung und Alex sah sich gezwungen in der Hütte unser verspätetes Ankommen anzumelden.
Die 250hm zum Schwarzsee und dann die 500hm von der Stafelalp zur Schönbielhütte meisterten wir tapfer. Müde und ein bisschen «kaputt» genossen wir um 20 Uhr das Nachtessen und gleich darauf die wohlverdiente Ruhe.
Tag 2 (12.04.2026) Schönbielhütte – Tête Blanche – Arolla
Nach einer kurzen Nacht, mit immer noch müden Beinen geht es 6:15 wieder los mit einem langen Tag über die Tête Blanche. Zuerst ein kurzer Aufstieg und eine kurze Abfahrt, dann beginnt der lange, lange Aufstieg zum Col de la Tête Blanche. Unterwegs treffen wir einige Militärtruppen, die an den Vorbereitungen für den PDG (Patrouille des Glaciers) arbeiten. Auch ein paar komische Gestalten treffen wir an, die vielleicht trainieren…?? Da uns Nebel und blinde Sicht begleitet kommt uns die Ausschilderung mit den roten Stangen bei der Abfahrt zum Col de Bertol gerade gelegen. Mit noch müderen Beinen erreichen wir glücklich Arola. Auch hier ist Militär stationiert. Da treffen wir einen Soldaten mit einem Bus. Ihm ist etwas langweilig. So fragen wir ihn, ob er uns zum Hotel fährt. Nach kurzer Abklärung mit seinem Vorgesetzten, verkündet er uns strahlend das ok. Wir werden direkt vor dem Hoteleingang abgeladen! Jetzt löschen wir als erstes den Durst. Danach geniessen wir eine herrlich warme Dusche, verdiente Regeneration und ein leckeres a la carte Znacht! Mit erholsamem Schlaf bereiten wir uns auf die nächste Etappe vor.
Tag 3 (13.04.2026) Arolla – Pas de Chèvre – Cab. des Dix
Aufgrund der Schlechtwetterprognose können wir im Hotel Veisivi in les Haudères ausschlafen. Bevor wir uns um 9 Uhr am Morgenbuffet treffen, trinken wir einen Kaffee mit Adi im Beizli neben dem Denner. Um halb zwölf machen wir uns mit dem Bus auf den Weg nach Arolla. Mit zwei Skiliften kommen wir bis auf die Höhe von 2800 Metern. Nach kurzer Abfahrt und kurzem Aufstieg erreichen wir den Pas de Chèvres. Der Abstieg erfolgt über eine spektakuläre Leiter. Der Zustieg zur Cabane des Dix dauert etwa 1 ½ Stunden. Trotz Schneefall kommt es uns «tüppig» vor und wir sind alle am Schwitzen beim Aufstieg zur Hütte…
Tag 4 (14.04.2026) Cab. des Dix – Pigne d’Arolla – Cab. des Vignettes
In der Nacht hat es aufgeklart und es erwartet uns ein kalter Morgen. Um 6.45 Uhr laufen wir bei ca. -7 Grad los. Wir laufen durch eine eindrückliche Gletscherlandschaft in Richtung Pigne d’Arolla. Auf dem selbstbenannten Vorgipfel Piz Carol gibt es bei windstillem Wetter ein ausgiebiges Picknick. Bei dieser Gelegenheit stossen wir mit Tinus Goldschnee Schnaps und Melis Schnupf auf seinen Geburtstag an. Nach der Überschreitung des Pigne d’Arolla erwartet uns eine Pulverschneeabfahrt in die Cabane des Vignettes.
Tag 5 (15.04.2026) Cab. des Vignettes – Auille Tseuque – Cab. de Chanrion
Nach dem Frühstück fahren wir zu dem Glacier d’Otemma ab, es gibt ein Gletscherkino mit Sonnenaufgang. Beim anschliessenden Aufstieg über den Glacier de Blanchen klingen die Harscheisen fast wie kleine Glocken.
Auf dem kleinen Pass trennen wir uns. Die Männer peilen mit Alex den Gipfel des Aouille Tseuque an, während die Frauen mit Meli das Bivouac de l‘Aiguillette besuchen. Dort öffnet Meli die Fensterläden, schmilzt Schnee, während Carol und Heidy in das Hüttenbuch schreiben. Nun sitzen die Damen bei Kaffee wie Königinnen auf der Sonnenterrasse und beobachten die Männer beim Aufstieg.
Infolge der luftigen Lage des WC’s wird einstimmig beschlossen, dass ein kleines Bedürfnis lieber auf später verschoben wird. Zwei Stunden später sind die Männer nach einer genussvollen Pulverfahrt wieder unten auf dem Gletscher angekommen und unsere Gruppe ist wieder komplett.
Dann folgt Abfahrt über den Gletscher und durch eine Schlucht wie aus einem Abenteuerfilm. Unten heisst es Felle montieren und sich stärken für den Aufstieg von ca. 200 Hm zur Chanrionhütte. Auf der Hütte geniessen wir Sonne, ein feines Essen und Schokocreme. Es geht früh ins Bett, denn Haute Route ist keine Wellnesswoche.
Tag 6 (16.04.2026) Cab. de Chanrion – Mont Avril – Glassier
Um 04:30 Frühstücken und kurz danach geht es in der Dunkelheit mit Stirnlampen los.
Kurz abfahren, auffellen und aufsteigen zu dem Fenêtre de Durand, wo wir ein Materialdepot errichten. Steigeisen anschnallen, Ski aufbinden und ca. 500 Hm aufsteigen zum Gipfel des Mont Avril.Oben erwartet uns Windstille und eine Aussicht zum Verweilen.
Die Abfahrt ist bei schönstem Sulzschnee ein Genuss. Die letzten 500 Hm steigen wir infolge Schneemangels zu Fuss ab. Unten geniessen wir die Wärme der Sonne bis uns das Taxi abholt, Meli und Alex haben das Zeitmanagement so im Griff, dass wir uns fühlen wie VIP-Gäste.
In Courmayeur beziehen wir ein herziges Hotel. Auf der Piazza geniessen wir Gelati und Cappuccino. Nach einer feinen Pizza fallen wir nach siebzehn Stunden auf den Beinen einfach nur noch ins Bett.
Ein Hammertag!
Tag 7 (17.04.2026) Courmayeur – Aiguille des Thoules – La Vallée Blanche – Chamonix
Nach dem Morgenessen im Hotel Stella Du Nord in Courmayeur fahren wir mit der Panoramagondel zum Pointe Helbronner auf ca. 3400 m. ü. M.. Dort teilen wir uns auf in zwei Gruppen. Vanessa, Tinu und Adi besteigen mit Alex den Aiguille des Thoules. Auf ca. 3260m machen wir ein kleines Materialdepot bevor wir Richtung Gipfel aufsteigen. Unterhalb der Westflanke binden wir die Ski’s auf den Rucksack und weiter geht’s mit Steigeisen. Der Aufstieg beinhaltet eine kleine Kraxelpartie und der Gipfel eine wunderbare Aussicht. Vanessa geniesst noch die Abseil Skitechnik bevor wir kurz danach wieder zur Gruppe stossen . Heidy, Carol und Pesche trinken in der Bergstation einen Kaffee und geniessen die Aussicht. Die beiden Gruppen treffen sich gegen halb zwölf auf dem Glacier du Géant zur gemeinsamen Abfahrt durch das Vallée Blanche. Mit der Zahnradbahn geht es zurück nach Chamonix. Wir haben unser Ziel erreicht.
Rückblick auf eine starke Woche:
Wir haben diese Woche gut gemeistert, haben viel erlebt, viel gelacht, Blasen überwunden und sind auch an unsere Grenzen gekommen. Genau das hat uns zusammengeschweisst.
Wir sind dankbar für diese gemeinsame Zeit. Das Wetter und die Lawinensituation waren auf unserer Seite und wir hatten mit Meli und Alex zwei kompetente, geniale Bergführer.
Merci tuusig für die geniale Woche.
Bergführer: Meli & Alex
Teilnehmer: Carol & Pesche, Vanessa & Tinu, Heidy & Adi (Text/Fotos)
Bilder Tag 1 (11.04.2026) Thun-SaasFee-Zermatt-Schönbiel Hütte
Bilder Tag 2 (12.04.2026) Schönbielhütte – Tête Blanche – Arolla
Bilder Tag 3 (13.04.2026) Arolla – Pas de Chèvre – Cab. des Dix
Bilder Tag 4 (14.04.2026) Cab. des Dix – Pigne d’Arolla – Cab. des Vignettes
Bilder Tag 5 (15.04.2026) Cab. des Vignettes – Auille Tseuque – Cab. de Chanrion
Bilder Tag 6 (16.04.2026) Cab. de Chanrion – Mont Avril – Glassier
Bilder Tag 7 (17.04.2026) Courmayeur – Aiguille des Thoules – La Vallée Blanche – Chamonix
