Tourentage in Bivio, 8.-13. Februar 2026

Viele Steine im Val Tgavretga, Skiballett im Tal der Engel und Multitasking am Berg: Auszüge aus dem Tagebuch der Skitourenwoche Bivio.

Achtung, fertig, los! Sonntag, 8. Februar, Reise ins Bündner Bergdorf Bivio am Julierpass. Der Ort im Naturpark Ela gilt als Eldorado für Skitourenfahrer:innen und unser Basislager ist das charmante Hotel Post. Da kann eigentlich nichts schiefgehen – wenn nur der trübe Wetterbericht, die angespannte Lawinenlage und die rekordverdächtig dünne Schneedecke nicht wären!?

Wasserscheide am Pass Lunghin: Am Montag schnallen wir uns die Skis bereits in Bivio an, folgen unserer Bergführerin Andrea südwärts in Richtung Pass dal Lunghin. Im Val Tgavretga (kein Druckfehler!) auf 2000 Meter über Meereshöhe ein erstes Aha-Erlebnis: Viele Steine, wenig Schnee und wo es Schnee hat, ist er verblasen oder weggerutscht. Etwas oberhalb beginnt der Winter doch, die Sonne lacht vom Himmel und 7 Kilometer und 900 Höhenmeter später stehen wir auf dem Pass da Lunghin. Auf der Passhöhe umgibt uns eine gigantische Berglandschaft und wir stehen an einem spannenden Ort. Genau hier befindet sich die einzige dreifache Wasserscheide Europas: Gegen Osten fliesst das Wasser in den Inn und via Donau ins Schwarze Meer; nach Nordwesten gelangt das Wasser in die Julia, dann in den Rhein, welcher schliesslich in die Nordsee mündet; das Wasser der Mera fliesst im Südwesten in den Comersee und via Po ins Mittelmeer. Wir wollen nicht ans Meer und nehmen den Weg zurück nach Bivio, wedeln zuerst in fluvigem Pulverschnee und kurven danach durch die Steinlandschaft, als ginge es um Olympiagold.

Wiedersehen im Tal der Engel: Neuer Tag, neue Tour, diesmal führt uns Andrea vom Julierpass ins Val d’Agnel; es ist eine engelhaft schöne Landschaft, die uns schon vor ein paar Jahren entzückt hat und unser Tourengrüppli diesmal zu einem eleganten Skiballett inspiriert (siehe Fotocollage). Es liegt anständig Schnee, ab und an blinzelt die Sonne durch die Wolken und der Aufstieg auf den Piz Campagnung gelingt einwandfrei. Wind und aufziehender Nebel erlauben nur einen kurzen Rast und über die Fuorcla digl Leget geht es bei anspruchsvollen Sicht- und Schneeverhältnissen zurück ins Val d’Agnel und zur Passstrasse am Julier.

Wo einst die Römer waren: Dritter Tag und unsere Bergführerin ist auch heute nicht zu beneiden – wohin mit der Gruppe bei dem aktuell beschränkten Skitourenangebot? Wir gehen erneut durchs Val Tgavretga (kein Druckfehler!), halten bei kräftigem Südwind leicht rechts in Richtung Septimerpass und gelangen bei schönstem Sonnenschein auf die Plang Chamfer. Wir durchschreiten die riesige Hochebene, als befänden wir uns am Nordpol, vor uns versucht sich der Piz Forcellina als kleines Matterhorn zu inszenieren und auch die Winterlandschaft am Septimerpass ist wunderschön anzusehen. Hier befand sich einst ein bedeutender Alpenübergang, der schon von den Römer:innen benutzt wurde. Wir begegnen keinen Römer:innen, auf der Alp da Sett lassen wir es gut sein, wobei eine Nebelschlange, vom Bergell herkommend, auch diesmal zum raschen Aufbruch drängt. Zurück in Bivio, reicht die Zeit für einen Dorfrundgang und Espressohalt in der lokalen Kaffeerösterei.

Multitasking am Rocabella: Es ist Donnerstag, der 12. Februar. Am Vorabend haben wir den feinen Vier- oder sogar Fünfgänger (Markus & Yvonne) im Hotel Post erneut bis auf den letzten Krümel verputzt, weshalb zum Abschluss der Tourenwoche schon wieder die Sonne vom blauen Himmel lacht. Den Weg ins Val Tgavretga (kein Druckfehler!) kennen wir bereits auswendig, von dort halten wir links zum Hausberg der Bivianer:innen, dem Rocabella. Gemäss den Spuren im Schnee zwischen den Steinen ist es keine Erstbegehung, aber der Aufstieg gefällt auch so prima. In der Bochetta d’Emmat haben wir unser Tagesziel erreicht. Eine aus Westen heranbrausendes Tiefdruckgebiet zwingt uns erneut zum schnellen Umrüsten. Also Felle weg, Helm auf, Skischuhe zu und Fritschi-Bindung an (1. Versuch), Fritschi Bindung an (2. Versuch), Fritschi-Bindung an (3. Versuch) etc … und was passiert mit dem Sandwich im Rucksack? «Ihr müsst Essen, während ihr die Felle abmontiert und euch mit der Bindung abmüht», verrät Andrea einen alten Bergführer:innen-Trick. Danke Andrea, einmal mehr, für die sichere, souveräne und angenehme Führung durch die Bündner Berge!

TeilnehmerInnen: Andrea Jacomet (Bergführerin), Susanna, Godi, Doris, Robert, Yvonne, Markus, Andrea, Kurt, Bernadette, Tanja
Fotos & Text: Godi

Fotogalerie Pass Lunghin, Montag 09.02.2026

Fotogalerie Val d’Agnel, Dienstag 10.02.2026

Fotogalerie Alp da Sett, Mittwoch 11.02.2026

Fotogalerie Rocabella, Donnerstag 12.02.2026